Oben: Pohlforce Bravo One Gen. III - ein legal führbares Zweihandmesser aus aktueller Produktion in hoher Qualität - leider nicht ganz billig. Der Nagelhau auf der Klinge unterstreicht den Charakter als Zweihandmesser. Back-Lock-Verriegelung, Hosenclip, BD1-Stahl.   

Scharfes Ding ... 

 

Messer sind Werkzeuge und Waffen, die der Menschheit schon seit Urzeiten dienen. Schon früher hatte der "Mann von Welt" stets ein Taschenmesser dabei, um im Alltag allerhand kleine Arbeiten damit zu bewerkstelligen, sei es der Dame und dem Kinde einen Apfel schälen oder lästige Verpackungen von Geschenken entfernen. Das mag im Zeitalter des omnipräsenten Smartphones vielleicht etwas aus der Mode gekommen sein, aber ein unauffälliges und leichtes Taschenmesser (z. B. ein "Gentleman-Folder") leistet nach wie vor gute Dienste in Freizeit und Beruf. Für den einen oder anderen Nutzer ist es natürlich auch eine Waffe zur Abwehr von Angriffen, allerdings will der Umgang mit einem scheinbar so simplen Ding wie einem Messer durchaus geübt sein und daneben muss vor allem klar sein, dass man im Fall des Falles schwere Verletzungen oder gar den Tod seines Gegenüber in Kauf nimmt, wenn man ein Messer erst mal einsetzt. Damit ist man dann auch schnell mit dem Gesetz in Konflikt und steht am Ende unvermittelt als Täter da, obwohl man ursprünglich eigentlich das Opfer einer Straftat (wie Raub) war.

 

Nichtsdestotrotz eignen sich auch viele der hierzulande frei erhältlichen Messer als Waffe. Eine feststellbare oder feste Klinge ist dafür aber ein Muss, da ansonsten eine enorm große Gefahr besteht, sich selber zu verletzen.    

Oben: Ein LAGUIOLE-Messer. Der Name verweist eigentlich auf einen bestimmten Messertyp aus Frankreich. Da der Begriff aber nicht geschützt ist, heißen auch etliche in Asien gefertigte Stücke so. Die Form des Klappmessers oben ist aber typisch "Laguiole" - u. a. die leicht gebogene Form des Hefts, die längliche Grundform im Ganzen und die unverzichtbare"Fliege/Biene" am Ricasso. Zweihandfolder mit nicht verriegelbarer Klinge, daher frei führbar in Deutschland. 

Oben: Eines der zahllosen Klappmesser ("Folder") der Handelsmarke C. J. HERBERTZ mit einem 420 AISI Klingenstahl und einer sog. Drop-Point-Klingenform. Durch den runden Daumenpin links an der Klinge (Öffnungshilfe für ein einhändiges Öffnen und Feststellen der Klinge) wird das Messer vom §42a berührt und darf nicht geführt werden. Liner-Lock-Verriegelung, Wurzelholz-Griffschalen. 

Oben: Mal etwas Anderes. Der SIMBATEC Card Skinner. Legal führbar. 

Rechtliches:

 

Thema Führen: Leider hat der Gesetzgeber 2008 mit der Novellierung des Waffengesetzes eine unnötige Verkomplizierung für den Bürger geschaffen. Der §42a des WaffG regelt, was man bei sich tragen darf und was nicht. Dabei gibt es eine Art Grauzone, die mit dem Begriff "berechtigtes Interesse" einhergeht. Aber was genau ist das im Einzelfall? Offenbar hat man diese Formulierung bewusst sehr schwammig gehalten, was einem Gesetzestext an sich diametral widerspricht, denn der sollte sprachlich eigentlich Eindeutigkeit schaffen.

 

Legal führen darf man Messer mit einer feststehenden Klinge, sofern diese unter 12cm Länge hat (es gilt die Länge der Klinge, nicht die der Schneide!). Ebenfalls legal bei sich tragen darf man Klappmesser, die entweder über eine nicht feststellbare Klinge verfügen oder solche, die man nicht einhändig öffnen/schließen und verriegeln kann ("Zweihandmesser"). Die Klingenlänge spielt bei Klappmessern übrigens keine Rolle, wobei es bauartbedingt kaum Klappmesser gibt, die deutlich über 12cm lange Klingen aufweisen. Verfügt das jeweilige Messer aber über sog. "Waffeneigenschaften", etwa eine Dolchform mit beidseitig geschliffener Klinge, dann fällt es wieder unter das Waffengesetz und schließlich unter das Führverbot. Also alles ganz schön kompliziert ...  

 

Viele Menschen wissen das nicht und so mancher ist bei einer ganz normalen und anfangs harmlosen Polizeikontrolle schon mit dem Gesetz gewaltig in Konflikt geraten, ohne das wirklich zu verstehen.   

 

Dazu kommt, dass solche "Vergehen" die Statistiken beeinflussen, wenn man also von gestiegenen Verstößen gegen das Waffenrecht liest, hängt das oft damit zusammen, dass harmlose Bürger bei Kontrollen auffallen (gleiches gilt übrigens auch für den nicht vorhandenen KWS, von dessen Existenz auch nicht alle SSW-Besitzer etwas wissen), ohne dass eine kriminelle Absicht dahinter steht. Trotzdem werden diese Entwicklungen von der Politik nur allzu gerne benutzt, um so populistisch nach weiteren Verboten und mehr Kontrolle sowie Überwachung zu plärren. 

 

Bei aller Kritik gilt es natürlich, sich an das bestehende Gesetz zu halten: Gänzlich verboten sind u. a. sog. Butterfly-Messer ("Balisong"), Faustdolche und Springmesser, bei denen die Klinge vorne aus dem Heft springt - also Finger weg. Verstöße können mit Gefängnis bestraft werden.   

 

Ansonsten kann man vom Stiefeldolch über das Bajonett bis hin zum Langschwert alles kaufen - nur eben oftmals nicht mitführen und damit die tatsächliche Gewalt über den Gegenstand außerhalb des eigenen Wohnraumes ausüben. 

 

Achten Sie aber darauf, dass in vielen Nachbarländern bestimmte, sehr strenge Regeln bezüglich des Messerführens gelten. Als (Negativ-)Beispiele seien hier Großbritannien und Dänemark genannt, in denen das Führen praktisch unmöglich ist. 

Oben: BÖKER "Grabendolch 2000" - ein reines Kampfmesser, das man zwar legal besitzen, aber nicht führen darf. Es gilt als Waffe, da es der Zweckbestimmung nach eine Stoßwaffe ist (Dolchform der Klinge, Name, Vermarktung des Produktes). Zudem liegt die Klingenlänge noch über 12cm. Hier würde aber auch die Regelung nicht greifen, wenn der Dolch nun unter 12cm Klingenlänge hätte - es wäre immer noch eine Waffe. Angelehnt ist die Blankwaffe an den industriell gefertigten Grabendolch aus dem 1. WK. 

Fazit: Praktische Werkzeuge, die man ruhigen Gewissens täglich mit sich führen kann, wenn man bestimmte Dinge beachtet (Führverbot). Im Extremfall hat man eine sehr effiziente Waffe bei der Hand, im Normalfall einen nützlichen Begleiter im Alltag und bei Hobby und Arbeit. Bei der unendlich anmutenden Auswahl an Messern ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei.

 

> Übersicht über die gängigen Stahlsorten.  

 

Tipps:

 

- Ideal für den Alltag sind kleinere, leichte Folder, also Klappmesser, die sich unauffällig und bequem in der Hosentasche tragen lassen. Ein Clip hält das EDC-Messer ("Every Day Carry") sicher dort. Achten Sie darauf, dass sie ein Modell kaufen, dass sich nur zweihändig öffnen lässt oder das keine Verriegelung der Klinge besitzt, dann kommen Sie mit dem unsäglichen §42a gar nicht erst in Konflikt. Auch bei einem Messer gilt die Devise "Wer billig kauft, kauft zweimal". Ein gutes Taschenmesser mit einem ordentlichen Stahl kann schon mal um die 50 € kosten und auch deutlich mehr. Billigheimer für unter 20 € werden zwar eine Weile ihren Dienst tun, aber die schlechte Qualität wird sich früher oder später garantiert rächen. Als Stahlsorte sollte 440C als unterste Grenze gelten, das ist ein sehr ordentlicher Stahl, der einen guten Kompromiss zwischen Härte, Korrosionsschutz und leichter Nachschärfbarkeit bietet.   

 

- Auch klassische Schweizer Messer (heißen in der Schweiz eigentlich "Sackmesser") wie die von VICTORINOX oder WENGER (gehört mittlerweile zu VICTORINOX) zeigen sich als wahre Alleskönner und sind eigentlich ein Muss für jeden, der seine Füße vor die Tür setzt. Vorsicht - Sammelgefahr! Mit so einem typischen Taschenmesser dieser Art erregt man zudem nicht gleich den Missmut allzu kritischer Mitmenschen, wie das bei einem Klappmesser vielleicht der Fall ist. Seit neuestem gibt es eine dritte Firma im Bunde, nämlich SWIZA  

 

- Im Handel gibt es eine schier unübersichtliche Zahl von Messertypen von Herstellern mit sehr deutsch klingenden Namen wie C. J. HERBERTZ oder HALLER - siehe auch das Bild weiter oben. Es handelt sich bei solchen Produkten aber fast immer um welche, die in China hergestellt wurden; HERBERTZ ist z. B. ein reines Handelshaus, das nur sehr wenige Stücke in Deutschland anfertigen lässt - die Masse kommt als Import aus Fernost. Das muss per se nicht mal ein Makel sein, denn auch aus China gibt es brauchbare Schneidwaren (REAL STEEL KNIVES etwa), aber etliche dieser Folder und Fixed Blades kommen mit einem 420er-Stahl und sind nicht selten so verarbeitet, dass sie bei stärkerem Gebrauch einfach zerfallen (das gilt jetzt konkret für alle Klappmesser). Nur mit etwas Glück stößt man auf ein Exemplar, das sich für leichte Tätigkeiten eignet. Oft sind die Exemplare auf den ersten Blick sogar ganz ordentlich gemacht und auch das Finish ist nicht wirklich schlecht, aber beim Gebrauch zeigt sich dann schnell, dass ein 20-Euro-Messer einem für 150 nicht das Wasser reichen kann. Diese günstigen Messer eignen sich eher zum Sammeln. Jedenfalls sollte man sich nicht von einem teutonischen Namen blenden lassen.   

 

- Bei den Feststehenden sollte man auf eine Vollerl-Bauweise achten ("Full Tang"), das heißt nichts anderes, als dass die Klinge als ganzes Stück von vorne nach hinten bis zum Ende des Griffes geht. Solche Messer sind stabil; ist die Klinge aber nur in den Griff eingesteckt bzw. reicht sie nur zum Teil in den Griff hinein, kann man damit eigentlich kaum arbeiten, da man so ein Ding schneller abgebrochen hat als einem lieb ist. Und in so einem Fall waren auch 16.95 € zu viel.   

 

- Benutzen Sie Ihr Messer nur zum Schneiden! Ein Messer ist kein Brecheisen, kein  Schraubendreher und dient auch nicht dazu, Bierflaschen zu öffnen oder Toiletten zu reparieren, wie ich das neulich auf einer Party erlebt habe. Auch wenn es in der Regel aus Stahl ist, wird es bei groben Arbeiten Schaden nehmen. Vor allem die Schneide ist empfindlich und auch die Messerspitze verzeiht es nicht, wenn man damit irgendwo dran herum hebelt. 

 

- Auch wenn man viele Klappmesser zerlegen kann, ist das nicht immer sinnvoll. Oft bekommt man die Einzelteile nicht mehr richtig zusammen und hat hinterher ein deutliches Klingenspiel. Reinigen kann man den Klingengang meist auch so ganz gut.  

 

- Achtung! Bestimmte Messerstähle sind nicht rostfrei (streng genommen sind alle Stähle sowieso nur rostträge und nicht komplett rostfrei) und bedürfen einer besonderen Pflege. Solche Kohlenstoffstahlsorten lassen sich durch ihr feines Gefüge sehr scharf schleifen und sind oft zäher als andere Sorten, sie bieten also durchaus Vorteile, man muss aber entsprechend behandeln.   

 

- Eine Sägezahnung (siehe Bild unten) sieht schick und böse aus, hat im Alltag aber nur einen begrenzten Nutzwert. Sie dient eigentlich dazu, festeres Material wie dicke Seile oder Taue zu zerschneiden. Für viele andere Schneidarbeiten eignet sich eine Sägezahnung aber nicht so gut. Kurz: Muss man öfters Seilartiges durchtrennen, greife man zur Sägezahnung, ansonsten ist man mit einer glatten Schneide meist besser aufgestellt - die lässt sich außerdem leichter nachschärfen und bietet einfach ein größeres Einsatzspektrum. 

- Gute und günstige feststehende Messer liefert u. a. die schwedische Firma MORA

Oben: Die kennt jeder! Typische Vertreter aus dem VICTORINOX-Portfolio bzw. von WENGER. Solche klassischen Taschenmesser - in der Schweiz "Sackmesser" genannt - leisten im Alltag oft gute Dienste, auch wenn sie natürlich keinen Werkzeugkasten ersetzen. Manche Kritiker sagen auch gerne "Die können alles, aber nichts richtig." Praktisch sind sie aber allemal. Die Klingen sind bei den hier gezeigten Modellen nicht feststellbar. Das Modell WENGER (unten rechts) ist ein sehr guter Kompromiss aus Funktionalität, Vielseitigkeit und Größe/Gewicht. Vor allem die Schere ist ein wichtiges Utensil.  Solche Helferlein mit Klinge wirken etwas "ziviler" als so manches Klappmesser und sie sind gesellschaftlich eher akzeptiert. 

Oben: Einhandmesser aus der Magnum-Reihe von Böker. Auffällig ist hier die nahezu symmetrische Dolchform der Klinge. 

Oben: Eine kleine Versammlung von Smith&Wesson-Messern. Diese offiziell für den bekannten Waffenhersteller von der Taylor-Cutlery in Asien gefertigten Stahlwaren sind meist aus 440er-Stahl hergestellt und quasi am oberen Ende der Unterklasse angesiedelt. Geringes Klingenspiel und eine prinzipiell ganz ordentliche Verarbeitung bei einem moderaten Preis zeichnen diese meist taktisch angehauchten Folder und Fixed Blades aus. Für den wirklich harten Einsatzalltag sollte man aber trotzdem zu höherwertigen Produkten greifen.  

Oben: LANSKY Messerschärfset für zuhause. Es gibt noch diverse andere Anbieter, die sich im Prinzip des Nachschärfens meist nur minimal voneinander unterscheiden. Die Klinge wird hier mit dem T-förmigen Halter fest eingespannt und dann kann die Schneide mit den verschiedenen Schleifsteinen im korrekten Winkel schrittweise geschärft werden. Solche Methoden erfordern allerdings Übung und Geduld!