Oben: Prinzipiell ist es sinnvoll, mehrere SV-Mittel zu kombinieren. Man hat dann je nach Einsatzzweck mehrere Optionen bzw. kann ein anderes Mittel einsetzen, wenn andere "verbraucht" sind, etwa ein Abwehrspray. Außerdem kann man seine Maßnahmen an die jeweilige Eskalationsstufe anpassen. Allerdings will das alles auch transportiert werden ... Hier eine WEIHRAUCH/ARIMINIUS HW 37 in 9mmR, ein aktuelles POHL FORCE Bravo One und eine MAGLITE XL 100 LED-Taschenlampe. 

§ 32
Notwehr

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

 

Diesen Gesetzestext sollte man wirklich verinnerlichen, denn eine Überschreitung von Notwehr oder eine Situation, in der gar keine Notwehr vorliegt, ich aber Gewalt anwende (evtl. mit einer Waffe), führt schnell zur Auslegung als Straftat. Dann ist man als vermeintliches Opfer selbst angeklagt. 

Oben: Nur wenige haben die Möglichkeit, sich mittels echter Schusswaffen zu verteidigen. Im Bild zu sehen ist spezielle Verteidigungsmunition im Kaliber .45 ACP - sog. Hohlspitzgeschosse (engl. "hollow point"). Waffenscheine gibt es in Deutschland nur wenige, da die Hürden zur Erlangung extrem hoch sind. Daher sind die meisten Bundesbürger auf Freie Waffen angewiesen.  

Oben: Gas- und Schreckschusswaffen sind eine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Idealerweise geschieht das mit einem 9mm-Revolver. Trotz einiger Vorzüge von SSW gibt es aber auch etliche Nachteile. Daher lohnt es sich immer, mögliche Alternativen zu prüfen. 

Wenn es mal eng wird ... 

 

Niemand ist sicher vor Angriffen und Kriminalität. Ganz unabhängig von der tatsächlichen Bedrohungslage sind die Absatzzahlen von frei verkäuflichen Selbstschutzmitteln wie Abwehrsprays und Gaswaffen in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Selbst Drogerieketten wie DM führen Pfeffersprays und viele SSW sind selbst einige Zeit nach den Silvesterausschreitungen in Köln immer wieder mal ausverkauft. Und in den Medien spielt das Thema SV (oft auch in Verbindung mit legalen bzw. freien Waffen) plötzlich auch eine Rolle. Das war nicht immer so. Das Thema SV ist also scheinbar in aller Köpfe und viele Kunden zögern nicht lange und kaufen das, was sie für geeignet halten.  

 

Auch wenn es natürlich abwegig ist, sich mit einer Freien Waffe gegen einen Terroristen mit Sturmgewehr und Sprengstoff zu wehren, so ist der Ansatz einer in der Breite "bewaffneten" Bevölkerung, die sich etwa bei dem Axtangriff im Zug in Würzbürg 2016 einem Täter entschlossen entgegenstellt, nicht abwegig. Tschechien geht ja gerade in diese Richtung, indem man die Verfassung dahingehend ändert, dass dort das Tragen einer Schusswaffe als Grundsatz manifestiert wird - ähnlich wie in den USA. Darüber kann man nun lang und breit diskutieren, aber die Sache hat auch was für sich. Israel ist da ein interessantes Beispiel.  

 

Auch wenn die Wahrscheinlichkeit statistisch trotzdem eher gering ist, ein Opfer zu werden, schadet es tatsächlich nicht, sich gedanklich mit der Frage auseinanderzusetzen, was man im Falle einer Attacke machen kann und will. Am ehesten dürfte das für den Normalbürger/die Normalbürgerin ein Raubüberfall, eine provozierte Schlägerei oder eine Vergewaltigung sein. Da sich nicht alle nur auf ihre Fäuste (oder besser ihre Füße, nämlich zum Wegrennen) verlassen wollen, bietet der Handel einige Mittel an, mit denen man sich theoretisch schützen kann. Das Problem ist die Tatsache, dass die Angriffe auf viele verschiedene Arten unter verschiedenen Bedingungen erfolgen können, es gibt also kein allgemeingültiges "Rezept" für den Notfall. Im Zweifel gilt immer noch das weise Bonmot: 

 

"Ein vermiedener Kampf ist ein gewonnener Kampf."

 

Leider ist das Ganze Thema SV immer erst mal graue Theorie und die Realität sieht dann meist doch anders aus; trotzdem lohnt es sich, gewissen Szenarien durchzuspielen und sich evtl. mit den u. g. Hilfsmitteln auseinanderzusetzen. Was einem dabei am ehesten zusagt, muss man selbst entscheiden, das kann einem niemand und schon gar nicht eine Internetseite abnehmen. Im Netz und auch bei Diskussionen wird man abertausende Meinungen zum Themenkomplex hören. Wichtig erscheinen mir ein paar einfache Tipps, die ganz unten aufgelistet sind. 

 

Grundsätze für die Selbstverteidigung (Englisch)

 

Neben den bereits kurz vorgestellten freien Waffen (SSW und Messer) bieten sich also noch andere Wahloptionen an, als da wären: 

 

Abwehrsprays:

 

Von den hier genannten Abwehrmitteln sind die Sprays sicher mit die beste Wahl und das hat mehrere Gründe: Sie sind leicht und die Bedienung ist auch unter Stress recht unproblematisch. Da sie nicht wie Waffen aussehen, erregen sie nicht so viel Aufmerksamkeit im Konfliktfall und man eskaliert die Situation damit auch nicht unnötig weiter. Hochwertige Sprays (Strahl oder Nebel) haben Reichweiten von bis zu ca. 5 Metern, damit hat man je nach konkreter Situation auch genug Abstand zum Angreifer. Ob man nun eine Version mit einem Strahl oder eine mit Nebel nimmt, hängt von der persönlichen Präferenz ab. Der Strahl hat den klaren Vorteil, dass man damit genauer zielen kann und die Reichweite ist meist etwas größer. Man bringt damit auch eine größere Menge Wirkstoff ins Ziel. Nebel eignet sich dagegen für einen "ungezielten" Schuss und man kann mit so einer Nebelwolke bei Bedarf mehrere Angreifer gleichzeitig treffen. Auch bei der Heimverteidigung kann Nebel von Vorteil sein, wenn man z. B. einen ganzen Raum oder Teile des Hauses mit CS oder OC vollgasen will, weil sich dort Einbrecher aufhalten. Für den Einsatz zuhause greift man möglichst auf große Gebinde zurück. 

 

Ein Vorteil der Sprays liegt auch darin, dass man sein Gegenüber nicht schwer verletzt, denn nach einiger Zeit und mit viel Wasser ist das Wohlbefinden des Getroffenen zu 100% wieder hergestellt.   

Oben: SABRE RED Pfeffer-Spray mit Strahl. Solche Dosen passen gut in eine Mantel- oder Handtasche und sind auch unter Stress leicht zu bedienen. In vielerlei Hinsicht sind sie unter den SV-Mitteln für unterwegs die beste Wahl.  

Üblich sind CS-Dosen und die berühmt-berüchtigten Pfeffer-Sprays. Pfeffer (OC - Oleoresin Capsicum) darf wegen fehlender Zulassung nicht gegen Menschen eingesetzt werden, wobei eine Notwehrsituation durchaus dazu berechtigt, da sie alle angemessenen Mittel legitimiert, die dazu nötig sind, den gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriff effizient mit einem angemessenen Mittel abzuwehren. Aber offiziell darf man das Spray eben nur gegen "aggressive Tiere" richten, daher heißen die Dosen auch "Tierabwehrspray". Pfeffer-Sprays fallen übrigens nicht unter das Waffengesetz und daher dürfen sie auch ohne Altersbeschränkung gekauft und mitgeführt werden. Sie müssen aber den Aufdruck "Tierabwehrspray" (oder ähnliche Hinweise) tragen. 

 

Infos zum Abwehrspray 

 

CS gilt gemeinhin als etwas weniger effektiv, wobei auch Fälle bekannt sind, in denen Pfeffer keine oder kaum Wirkung beim Angreifenden zeigt. Jeder Mensch reagiert eben anders auf die verschiedenen Reizstoffe, auch das sollte man immer im Hinterkopf haben.

Man sollte übrigens darauf achten, dass man nicht die kleinste Menge nimmt, also keine als Lippenstift getarnte Dose, sondern lieber die größte Einheit, die man bereit ist, mitzunehmen. Im Notfall sollte man versuchen, dem Angreifer direkt ins Gesicht zu sprühen, weil die Schleimhäute und die Augen am meisten unter dem Wirkstoff leiden. Die Augen werden dann reflexartig fest geschlossen und sind nicht offen zu halten. Dann macht man sich am besten aus dem Staub und wartet nicht erst ab, wie das Spray wirkt. 

 

Achtung: Die Sprays, vor allem Pfeffer, sind nicht in allen Nachbarländern Deutschlands legal! Vor der Urlaubsfahrt sollte man sich also erkundigen, um keinen Stress mit den Behörden dort zu riskieren. 

 

Derzeit wird in den Medien vor dem Hintergrund der abnormen Verkaufszahlen von SV-Spray immer wieder vor deren Einsatz gewarnt. Lassen Sie sich von solchem Blödsinn nicht beeinflussen. Wer sich halbwegs effektiv schützen will, hat damit zumindest eine kleine Chance. Und in einer nachgewiesenen Notwehrsituation darf man sehr wohl auch Pfefferspray gegen (menschliche) Angreifer einsetzen!   

 

+ günstig, klein und einfach zu transportieren 

+ auch unter Stress leicht zu bedienen

+ keine "Waffenform" und damit wenig Potenzial zur Eskalation durch das Aussehen  

+ in Deutschland legal führbar 

+ in der Regel bei richtiger Anwendung auch effizient

o erfordert trotzdem Übung

o Pfeffer darf nur in echten Notwehrsituationen gegen Menschen eingesetzt werden  

- witterungsabhängig (Wind!) 

- nicht unbegrenzt einsetzbar (Füllmenge), Ablaufdatum! 

 

Elektroschocker: 

 

Vor einigen Jahren waren diese Geräte noch ziemlich in Mode und nach meinem Empfinden auch recht verbreitet, allerdings verlangt der hiesige Gesetzgeber mittlerweile eine PTB-Zulassung (kennen wir von den SSW), also sollte man darauf tunlichst achten, wenn man den Kauf plant. Noch vor einiger Zeit erfüllten aber nur eine Hand voll Schocker dieses Kriterium, sodass diese Waffenart nicht mehr ganz häufig anzutreffen war. Da man zum Einsatz nah "an den Feind" heran muss, ist diese Art der Abwehr nur bedingt geeignet, auch wenn das typische Knistern und der Lichtbogen sicherlich Respekt einflößen. Andererseits hat man keinerlei Garantie, dass einem der Schocker wirklich etwas nützt - hat der Angreifer etwa eine dicke Lederjacke an oder steht dieser unter Drogeneinfluss, kann die Effizienz massiv herab gesetzt werden. Hat der Bösewicht aber ein Herzleiden, dann kann der E-Schocker auch zum gefährlichen Problem werden, da unter ungünstigen Umständen Folgeschäden bis hin zum Herzstillstand drohen.  

Fazit: 

 

+ ggf. Abschreckung durch Lichtbogen und lautes Knattern des Blitzes 

- Körperkontakt zum Angreifer ist notwendig > gefährlich 

- nur relativ wenige Modelle verfügbar (PTB-Pflicht) 

- Wirkung ist nur bedingt vorhanden und hängt stark vom Zustand und der Kleidung des Angreifers ab 

Schlagstöcke/Tonfa:

 

Teleskop-Schlagstöcke sind nicht, wie oft behauptet, per se verboten. Man darf sie seit 2008 nur nicht mehr führen. Zudem sind bestimmte Formen davon verbotene Gegenstände, etwa die Stahlruten ("Totschläger") mit flexiblem Elementen. Für die Verteidigung in den eigenen vier Wänden sind diese Waffen mit etwas Übung durchaus gut zu gebrauchen, vor allem, da man damit Abstand zum Angreifer herstellen kann - allerdings muss man sich hier auch wieder verdeutlichen, dass man damit sehr viel Schaden anrichten kann. Auch sog. Tonfas oder Knüppel jeder Form (Gummiknüppel, Baseball-Schläger) lassen sich als Waffe einsetzen - auch hier ist das Führen aber nicht erlaubt respektive problematisch. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass solche Geräte meist eher günstig sind, etwa im Vergleich zu einer Gaswaffe. Qualitativ gute, behördlich eingesetzte Teleskopstöcke und andere Schlagwaffen wie die von MONADNOCK kosten allerdings schon eine Stange Geld, um die 150 € muss man da einplanen. 

 

Als interessant für alle Freunde der Diskretion könnte sich ein Regenschirm herausstellen, der als Schlagwaffe benutzt werden kann. Der Hersteller wirbt damit, dass sich eine erwachsene Person darauf stellen kann (der Schirm liegt auf zwei Stühlen), ohne dass dieser bricht:

 

http://www.selbstverteidigungsschirm.com/

 

Auch ein stabiler Spazierstock gilt vor dem Gesetz nicht als Waffe, kann aber im Ernstfall sicherlich gute Dienste leisten. Cold Steel hat da z. B. was im Programm: 

 

Gehstock "City Stick"  

 

Fazit: 

 

+ hochgradig effizient bei Treffern, Gegner wird schnell kampfunfähig 

+ Abstand zum Gegner wird aufgebaut 

+ abschreckende Wirkung 

+ günstig

+ leicht zu bedienen, auch wenn etwas Übung sinnvoll ist 

- kann in der Regel nicht ohne Weiteres legal geführt werden in Deutschland 

- Angreifer wird schnell schwer verletzt, Umkehr der Opfer-Täter-Rolle ist vor Gericht fast sicher 

Oben: Ein typischer und eher preisgünstiger Teleskopschlagstock. Gut zu erkennen sind die beiden Elemente, die durch Schwung aus dem Griff geschleudert und durch die sog. "Friction-Lock"-Technik in Position gehalten werden. 

Kubotan: 

 

Diese Handschmeichler in Form von kleinen, speziell ergonomisch geformten Stöcken aus Metall (meist Aluminium) oder Holz dienen dazu, dass man sie im besten Fall auf bestimmte Schmerzpunkte des menschlichen Körpers anwendet. Entworfen wurde das Konzept von einem Japaner (Herr Kubota), der diese kleinen Helfer als Ideal für weibliche Polizistinnen ansah. Kubotans haben ergonomische Fingerrillen, die ein Abrutschen verhindern und müssen aus der geschlossenen Faust des Anwenders auf einer Seite noch herausschauen, sonst sind sie wirkungslos. Grundsätzlich kann man damit auch ungezielt schlagen und stoßen (die Technik ähnelt dann der beim Einsatz eines Messers), durch die kleine Spitze konzentriert sich die ganze kinetische Energie auf den getroffenen Punkt und das tut fast überall weh. Alu ist immer härter als menschliches Gewebe und auf Schmerzpunkte oder Nerven angewendet, entfaltet der Kubotan erst sein ganzes Potenzial. Dazu muss man aber dicht ran an den Angreifer und das ist schon wieder ein Nachteil. Allerdings eignet sich der kleine Wunderstock auch prima für Befreiungstechniken (Umklammerung). Man kann sich gut vorstellen, dass das Ganze aber trotzdem einige Kenntnis und Übung voraussetzt. Daher sind diese Dinger tendenziell eher etwas für den Fortgeschrittenen bzw. geschulten Experten und weniger für den Normalo. Auf jeden Fall muss man den Kubotan im Fall der Fälle konsequent benutzen, das könnte zur bösen Überraschung für den Angreifer führen, wenn er plötzlich unangenehme Schwerzen verspürt, die er gar nicht erwartet hat. Gleiches sollen sog. taktische Kugelschreiber können, die aus hochfesten Stoffen wie Flugzeug-Aluminium hergestellt werden. 

 

Fazit: Im Gerangel um Leben und Tod ist so ein Stöckchen natürlich mehr als ein Nichts ...  

 

+ klein, leicht zu verstauen und günstig, für Unbedarfte auch unauffällig ("Mein neues Sex-Toy")  

+ in Deutschland legal führbar

- erfordern schon etwas Übung, nicht in allen Ländern legal! 

- man muss sehr nah an den Gegner ran, keine Abstandswaffe wie ein Spray 

Oben: Kubotan in klassischer Form aus Aluminium, darunter die Lady-Version in Pink (noch in der OVP). Der Schlüsselring soll wohl dazu animieren, sich so ein Stöckchen ans Schlüsselbund zu klemmen - dann muss man aber im Verteidigungsfall mit dem Kubotan UND dem ganzen Krempel zuschlagen oder stoßen. Besser ist es, das Teil so in die Hosentasche zu stecken. Preislich bewegen sich die ganz billigen Versionen aus China schon um die 1 €. Qualitätsware ist natürlich teurer, wobei auch solche Billigheimer ihren Zweck erfüllen. 

 

 Trillerpfeifen/Schrillalarm:

 

Totaler Quatsch. Wird zwar immer wieder gerne mal von der Polizei empfohlen (auch gerade aktuell vor dem Hintergrund, dass sich die Leute aus Angst eher "harte" Sachen wie Pfefferspray holen), aber das heißt ja nichts. Die Idee, durch Lärm andere auf den gerade stattfindenden Angriff aufmerksam zu machen, ist ja nicht doof, aber die Sache hat etliche Haken: Hat man z. B. als Frau irgendwo im Wald beim Joggen das Ding betätigt, weil einem ein oder zwei potenzielle testosterongeladene Vergewaltiger an die Wäsche wollen, hilft so ein Gerät überhaupt nicht, weil eben keiner in der Nähe ist. Aber selbst, wenn "Retter" in der Öffentlichkeit da wären, helfen diese auch nur höchst selten, wie etliche Fälle immer wieder eindrucksvoll belegen. Und auch in vielen anderen Situationen dienen solche possierlichen Pseudo-Waffen im Spielzeug-Look wohl eher der Belustigung des Angreifers/der Angreifer. Nach der erfolgten Straftat (Vergewaltigung, Totschlag usw.) schieben die einem den piependen Snoopy aus Plastik wahrscheinlich einfach irgendwo unten in den Körper rein und er schrillt munter weiter in der Leichenhalle, bis die Batterien leer sind ...  

 

Kurzum: SV kommt nur selten ums Wehtun herum, ich muss einem anderen Schmerzen zufügen und ihn kampfunfähig machen, sodass er im Moment des rechtswidrigen Angriffs von mir ablässt. Das ist hässlich und nicht einfach, aber unvermeidbar im Falle einer echten Notwehrsituation. Wer sich nur auf akustische Effekte verlässt - oder noch schlimmer, auf andere Mitmenschen - der sollte also nicht zu viel erwarten. 

 

Fazit: Am ehesten etwas für Kinder, die keine Waffen führen dürfen, gnadenlose Optimisten und echte Pazifisten, die keinem was zuleide tun können ... 

 

+ klein, leicht und günstig, gut zu führen 

+ legal führbar in Deutschland 

+ ideal für Kinder 

- tut keinem Angreifer weh und ist daher bestenfalls ein Placebo im Extremfall

- auch bei Anwesenheit von anderen ist nicht automatisch Hilfe zu erwarten  

 

Leuchtmittel:

 

Lichtstarke Taschenlampen eigenen sich recht gut, um einen Angreifer zu blenden. Daher haben moderne Leuchten auch manchmal eine Art Stroboskop-Funktion, um diesen Effekt noch zu verstärken. Wenn man nichts anderes hat, ist eine Taschenlampe immer noch eine Alternative zum Nichts. Man kann kleinere Flashlights auch wie ein Kubotan einsetzen (siehe oben). Große Lampen wie die Klassiker von MAGLITE (3D oder 4D oder noch mehr D) kann man zusätzlich noch als Schlagwaffe verwenden. Hier muss man sich aber klar machen, dass auch Knochen brechen, wenn man damit richtig trifft. Wegen dieser Abwehrfähigkeiten sind die aus Flugzeugaluminium gebauten Handlampen aus Ontario, California daher nur bedingt als "Dinosaurier" auf dem Lampenmarkt anzusehen - mit LED ausgerüstet erfüllen sie für stationäre Aufgaben durchaus ihren Zweck, auch wenn modernere, wesentlich kleinere Taschenlampen heute oft eine viel bessere Lichtausbeute haben. Taschenlampen gelten per se nicht als Waffe und sie lassen sich daher fast überall mit hinnehmen. Allerdings ist die Energiequelle immer ein potenzieller Schwachpunkt - sind die Akkus oder Batterien leer, blendet man auch keinen Bösewicht. Der Markt für Taschenlampen ist heutzutage fast unüberschaubar, allein das Feld der taktischen Leuchten ist riesig. Eine Kombination aus Lampe und Spray oder SSW ist übrigens durchaus empfehlenswert.        

 

Fazit: Ohne sollte man abends nicht aus dem Haus gehen und auch ins eigene Zuhause gehört eine vernünftige Taschenlampe.  

 

+ per se keine Waffe, daher uneingeschränkt führbar 

+ richtig eingesetzt, durchaus effizient

+ kombiniert bei größeren Exemplaren Licht und "Schlagwaffe" 

- im Extremfall natürlich keine Wunderwaffe, wird am bestem mit anderem SV-Mittel kombiniert  

- Schwachstelle Akku/Batterie 

Oben: Jeder kennt sie, fast jeder hat eine - der kultige Klassiker von MAGLITE (USA) aus fast unzerstörbarem Aluminium, hier eine jüngere 3D-Version mit LED. Die älteren Varianten haben noch das Krypton-Leuchtmittel, welches lange nicht so effizient ist und heute als hoffnungslos veraltet gilt. Mit solchen Lampen kann man sich durchaus verteidigen, etwa durch gezieltes Stoßen auf empfindliche Körperregionen und Schlagen. Man kann den Angreifer aber auch blenden. Allerdings sind sie wegen ihres Gewichtes und der Größe eher für den Hausgebrauch oder das Auto gemacht. Für unterwegs sind die klassischen MAGLITES einfach zu groß und zu schwer. 

Schwerter/Macheten: 

 

Nicht zum Führen geeignet (es grüßt §42a), aber für die eigenen vier Wände gar nicht mal so schlecht. Den Umgang damit sollte man etwas trainieren und sich auch klar machen, dass man potenziell tödlichen Waffen in der Hand hat (was ein Staatsanwalt bzw. Richter hinterher auch so sehen wird).  Der Vorteil gegenüber einem Messer liegt in der größeren Reichweite; mit einem Katana kann man z. B. den Angreifer mit Übung auf Distanz halten. Zudem flößen sowohl eine Machete als auch ein handliches Schwert schon Respekt ein. Das folgende Firmenvideo von Cold Steel zeigt, wozu ein kurzer Säbel (Entermesser) in der Lage ist (wenig Übung vorausgesetzt): 

Kann man damit umgehen, ist man ganz sicher in der Lage, sich effizient in den eigenen vier Wänden zu verteidigen. Und wenn mal kein Bösewicht zu Besuch kommt: Immerhin kann man damit auch echte Schweine zerteilen, wie man sieht.  

Fazit: 

 

+ extrem effizient, Gegner wird bei richtiger Anwendung sehr schnell kampfunfähig 

+ hoher psychologischer Abschreckungsgrad! 

+ Gegner kann auf Distanz gehalten werden 

- in der Regel nicht in Deutschland führbar (§42a)

- Gegner wird schnell schwer verletzt, bis hin zum Tod

- Opfer-Täter-Umkehr vor Gericht ist fast immer sicher 

Kampfsport:

 

Nicht selten hört man bei Diskussionen das Argument, man solle Kampfsport betreiben, wenn man sich effizient schützen wolle - dann brauche man auch keine Hilfsmittel wie Waffen. Im Grundsatz ist das ein richtiger Ansatz: Wer körperlich einigermaßen fit ist und bestimmte Techniken gut beherrscht, der hat in einer direkten körperlichen Auseinandersetzung erst mal bessere Karten. An Angeboten mangelt es nicht: Krav Maga, Systema, MMA oder Muay Thai seien hier exemplarisch als Kontaktsportarten genannt. Das klassische Boxen bietet natürlich auch ein hohes Maß an Effektivität, wenn man es beherrscht.

 

Unterscheiden sollte man auf jeden Fall die Kampfsportarten, bei denen es eher um den Sport, reglementierte Abläufe und einen fairen Wettkampf geht und die, die gnadenlos auf den reinen Kampf und das Niederringen eines oder mehrerer Gegner abzielen. Beides hat seine Reize, aber kunstvoll gelaufene Katas beim Karate nützen einem im Angesicht eines betrunkenen Straßenschlägers nur bedingt.  Je nach Schule und Ausrichtung wird auch nicht richtig "zugeschlagen" oder getreten, sondern vorher quasi abgebremst. Beim MMA dagegen erlernt man verschiedene Techniken, so neben kraftvollen Schlägen, Tritten, Befreiungs- und Falltechniken auch den Bodenkampf. Ein solch breiter Ansatz, gepaart mit viel Sparring eignet sich gut, um sich fit zu machen für böse Eventualitäten. Es gibt darüber hinaus auch solche Arten, in denen man mit Waffen trainiert (z. B. Kendo), etwa den Schwert- oder Stockkampf. Auch das lässt sich später im Extremfall durchaus anwenden. 

 

Ein hohes Maß an Effizienz der waffenlosen Verteidigung erreicht man aber nur, wenn man einen gewissen Grad an Training und dazu das nötige Wissen hat, zudem ist die individuelle Fitness auch nicht ganz unwichtig. Mit einem Wochenendkurs "Selbstverteidigung für Frauen" wird man vielleicht ein paar Grundtechniken verinnerlichen, vielleicht einen sicheren Stand beachten, vielleicht wird man sich im Worst Case eher trauen, dem Vergewaltiger kräftig dahin zu treten, wo es auch wehtut, man ist damit aber keinesfalls in der Lage, sich gegen jeden Gegner zur Wehr zu setzen und diesen dann kunstvoll außer Gefecht zu setzen. 

 

Man sollte auch immer im Hinterkopf haben, dass selbst geübte Kämpfer sich leicht überschätzen können. Als Beispiel seien hier die zahllosen Entwaffnungstipps von Experten genannt, die im Netz so kursieren. Ob es immer gut geht, wenn man versucht, einem Gegner die Schusswaffe mit einer entsprechenden Technik zu entwenden, wenn dieser eine fertig geladene Pistole an meinen Kopf hält? Das kann gut gehen, in vielen Fällen wird es allerdings mit einem Kopfschuss enden. Die Voraussetzung, dass der Gegenüber die Waffe in Schlagweite hält, ist ohnehin Grundbedingung dafür und das wird bei einem halbwegs geübten Schützen in so einer Bedrohungssituation wohl kaum passieren, wenn er sein Schießeisen als das begreift, was sie ist - eine Distanzwaffe. Gleiches gilt für Messerangriffe, die man abwehren muss. Unter vielen Kampfkunstexperten gilt das als äußerst problematisch, weil man fast immer dabei verletzt wird. Natürlich gibt es auch hier Entwaffnungsgriffe und Abläufe, aber in der lichtdurchfluteten und beheizten Sporthalle mit einem "Gegner", der weiß, was nun kommt, läuft das anders ab als im Park bei Dunkelheit im Winter und mit zwei oder drei bewaffneten Räubern. Da ist es meist sinnvoller, das Smartphone ohne Kampf herauszurücken, auch wenn man den Schwarzen Gürtel hat.  

 

Wie auch immer, Sie verstehen, worauf ich hinaus will: Auch ein durchtrainierter und erfahrener Kampfsportler findet seinen Meister.  Ein falsches Gefühl von Überlegenheit schafft nur noch brenzligere Situationen. Wie bei allen Mitteln zur SV hat man bessere Chancen, aus der Bedrohungslage unversehrt heraus zu kommen, wenn man fit in einer Kampfsportart ist. Keinesfalls ist man dadurch aber gegen jede Bedrohung 100%ig geschützt.     

Oben: Das Video zeigt in beeindruckender Weise, dass sich Übungen aus dem Dojo und im Training erworbene Fertigkeiten meist nur sehr bedingt auf Kämpfe "draußen" übertragen lassen. Kommen überraschend mehrere Gegner ins Spiel, wird es mindestens kompliziert. Dennoch ist das Erlernen einer Kampfsportart absolut sinnvoll! 

 Sonstige Mittel:

 

Ein kleiner Spaten oder Klappspaten aus militärischer Nutzung ist auch für weniger Geübte eine hervorragende Abwehrwaffe - man kann damit blocken, schlagen und mit der geschärften Seite auch schneiden. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg haben Soldaten aller Couleur rege davon Gebrauch gemacht und allgemein galt der Spaten als Allroundnahkampwaffe schlechthin. Noch zu meinen BW-Zeiten Mitte der 90er Jahre diente der Klappspaten als letztes Mittel, wenn der Iwan oder sonstwer in den eigenen Graben eingebrochen und die Munition verschossen war. Allerdings braucht es auch hier zumindest etwas Übung in der Handhabung. 

 

Auch alltägliche und ganz banale Dinge wie ein Stück Elektrokabel, das gute Kochmesser aus der Küche, eine Stricknadel oder ein sonst unbenutzter Axtstiel aus dem Schuppen eigenen sich im Extremfall, um damit körperliche Angriffe direkt und nachhaltig abzuwehren. Es soll ja Leute geben, die mit einer zusammengerollten Tageszeitung jemanden so richtig vermöbeln können. Dahinter steht die Grundidee, dass man viele Alltagsgegenstände als Waffe nutzen kann, wenn man sie entschlossen und zielgerichtet einsetzt. Dazu ist oft nicht mal viel Übung vonnöten. Gehen Sie also bei Gelegenheit mal mit ganz anderen Augen durch Ihre Wohnungseinrichtung ....   

 

Gesamtfazit: Leider eine komplexe Sache, bei der es kein Patentrezept geben kann. Wichtig ist vor allem die Beachtung der geltenden Gesetzeslage und die Beachtung des Notwehrparagraphen. Abwehrsprays eignen sich aus verschiedenen Gründen mit am besten zur SV, sind aber auch kein Allheilmittel. Die Heimverteidigung lässt sich meist etwas leichter organisieren, weil man hier das Führverbot vieler Abwehrwaffen nicht beachten muss. Hier bieten sich auch große Hieb- oder Stoßwaffen an, mit denen man sich noch gut in einem Raum bewegen kann. Diese sollten mit einer starken Taschenlampe kombiniert werden. Nehmen Sie verschiedene Mittel in die Hand und probieren Sie sie wenn möglich aus.   

Tipps: 

 

Eine Waffe macht Sie nicht unbesiegbar oder unverwundbar. Sie KANN in bestimmten Fällen einen Vorteil bedeuten und dazu führen, dass man den gegenwärtigen Angriff erfolgreich abwehrt und unterbindet, mehr nicht. Mit einem Schuss aus einer SSW kann man evtl. andere auf sich und die Situation aufmerksam machen. Im Zweifel sollte man einer Auseinandersetzung aus dem Wege gehen und einfach verschwinden, sofern dies noch möglich ist. Man ist damit keineswegs ein Feigling, sondern eher der Clevere.  

 

- Testen Sie alle Waffen, die Sie zur Abwehr nutzen wollen und machen Sie sich mit der Handhabung vertaut. Kaufen Sie lieber zwei Pfeffer-Sprays und testen Sie eines davon mal aus (effektive Reichweite, Handhabung, ggf. Wirkung). Die Handhabung einer Gaswaffe ist für die, die noch nie eine Waffe in der Hand hatten, zuerst sicher irritierend, auch das muss geübt werden! Verschießen Sie mit diesen Waffen mindestens ein Magazin oder eine Trommel, besser mehr! Üben Sie auch das gefahrlose Entladen. 

 

- Machen Sie sich klar, dass ein Zeigen und Drohen mit den Waffen nicht immer automatisch einen abschreckenden Effekt hat. Im schlimmsten Fall wird einem die Abwehrwaffe nämlich entrissen und man kommt selber in den zweifelhaften Genuss ihrer Wirkung. Wenn man sich also schon entscheidet, ein Verteidigungsmittel einzusetzen, dann sollte man es auch richtig benutzen und "die Sache durchziehen". Man ist nebenbei bemerkt nicht verpflichtet, am Ort des Geschehens solange zu warten, bis die Ordnungshüter eintreffen (wenn sie es denn tun). Waffe benutzen und abhauen sollte die Devise sein.  

 

- Andererseits gibt es empirische Studien, die einer Schusswaffe (wie einer SSW) einen recht großen Drohfaktor zusprechen. Viele Auseinandersetzungen enden ohne Gewalt, weil eine Schusswaffe quasi nur "gezeigt" wird. Das gilt zwar vor allem für Länder wie die USA und scharfe Schießeisen, trotzdem sollte man auch den Aspekt der Abschreckung durch eine Waffe nicht ganz vergessen. Verlassen sollte man sich darauf aber nicht unbedingt.   

 

- Problematisch sind einige der oben genannten Mittel, wenn es ums Führen geht. Beachten Sie unbedingt die geltenden Gesetze. Insidertipp: Ein Spazierstock ist keine Waffe! 

 

- Verhindern Sie nach Möglichkeit in einem akuten Konfliktfall, dass ein Angreifer weitere Verstärkung ruft, etwa per Handy. Entreißen Sie wenn möglich das Telefon und machen Sie es unbrauchbar.  

 

- Halten Sie sich körperlich fit. Es geht nicht darum, dass man mit einem Wochenendkursus "Selbstverteidigung für Anfänger" nun allen Gefahren widerstehen kann, aber Vollkontaktkampfsportarten sind auf lange Sicht sicher eine gute Möglichkeit, sich in bestimmten Fällen selber helfen zu können. Außerdem sollte man in der Lage sein, bei Bedarf wegzurennen, etwa wenn mehrere Aggressoren auf einen einwirken. 

 

Treten Sie selbstbewusst auf! Klingt merkwürdig, aber: Psychologen meinen, dass potenzielle Täter sich ganz bewusst "Opfertypen" suchen und die Körpersprache dabei eine wesentliche Rolle spielt. Übrigens kann das OC-Spray oder die SSW in der Manteltasche auch dazu beitragen, dass man auf Außenstehende (ohne es selber zu merken) selbstsicherer wirkt.   

 

- Folgende Waffen sind nach dem Gesetz verbotene Gegenstände und dürfen nicht besessen werden:  

 

- Wurfsterne ("Shuriken") 

- Nunchaku ("Würgeholz")

- Fallmesser 

- Totschläger 

- Schlagring 

- Butterflymesser ("Balisong") 

 

- Halten Sie sich auf dem Laufenden, was die Gesetzgebung betrifft. Gerade am Waffengesetz wird in Deutschland ständig und gerne herumgefummelt und was heute noch legal ist, kann morgen schon strafbar sein. 

 

- Nochmals: Am besten geht man Ärger grundsätzlich aus dem Weg, soweit das möglich ist. Wer an einen Straßenschläger mit Erfahrung gerät oder an eine ganze Gruppe "Jugendlicher", der gibt besser Fersengeld oder rückt das I-Phone nebst Geldbörse bereitwillig raus., denn dann nützen auch die tollsten Verteidigungsmittel oder die drei Jahre Karate nichts.