Cowboy und Indianer ... 

 

Ja, auch sie gehören irgendwie dazu. Diese oft liebevoll gestalteten Nachbildungen echter Waffen kennen viele noch aus ihren (glücklichen) Kindheitstagen. Mit solchen Knallwaffen zog man in Scharen durch den Ort und hat es ordentlich krachen lassen, ohne dass gleich ein SEK angefordert wurde. An den typischen Geruch der Zündhütchen (Amorces) kann ich mich heute noch gut erinnern. Übrigens waren diese Dinger früher tatsächlich noch laut: 

Als Sammelobjekt taugen die meist aus Zinkdruckguss und/oder Kunststoff gefertigten Nachbildungen vor allem deshalb, weil die Preise auf Taschengeldniveau liegen. Die Auswahl an Modellen ist zudem riesig, neben mehreren deutschen Herstellern kommen viele Cap-Guns aus Spanien, Italien und den USA. Die zahllosen Repliken aus China gar nicht mitgerechnet, hat man erst mal ein paar Jahre etwas zu sammeln. Die Verarbeitung der Stücke reicht von "Kaugummiautomaten-Qualität" bis hin zu "sehr ordentlich". Waffen, die vollständig aus Metall sind, halten auch bei Gebrauch eine ganze Weile, weniger empfehlenswert sind komplett aus Plaste gebaute Vertreter.  Preislich starten die Spielzeuge bei ca. 3 Euro, sehr aufwändige Langwaffen, wie eine M-16-Nachbildung von GONHER aus Spanien, kosten gut 80 Euro. Ordentliche Revolver aus Metall liegen um die 15 Euro.    

Oben: "PPK-Heaven". Auch für Fans bestimmter Waffentypen ist was dabei. Hier zwei schöne Nachbildungen der legendären WALTHER PPK aus Metall von IDEAL für 13-Schuss-Streifen. Man beachte die liebevoll gemachten "Arabesken" auf der oberen Waffe! Auch die Verpackung ist ein Hingucker. 

Auch die gerade scheinbar sehr angesagten Nerf-Guns sind als Spielzeugwaffen zu bezeichnen, allerdings sind die Ähnlichkeiten zu den echten hier eher gering und der reine Spielzeugcharakter überwiegt klar.  

 

Wen es interessiert: Im Visier-Heft 3/2014 habe ich einen Artikel zum Thema Spielzeugwaffen verfasst.

 

Neben den knallfähigen Stücken gibt es dann noch Modellwaffen, die meist im verkleinerten Maßstab und oft recht aufwändig hergestellt sind - nicht selten haben sie bis auf das Schießen alle Funktionen ihres Vorbildes.  

Oben: Direkt von der Kirmes: Schlüsselanhänger mit Nachbildungen bekannter Sturmgewehre und Flinten. Noch nicht verboten in Deutschland ... 

Oben: Ein alter Bausatz aus Asien, aus dem man eine schussfähige (!) 1911er herstellen kann. Anstatt von Geschossen im Kaliber .45 ACP kommen hier aber nur kleine Plastepfeile aus der Mündung der vergoldeten Pistole. 

Auch Wasserpistolen und Rundkugeln verschießende, mit dem Airsoft verwandte Spielzeugwaffen zählen zu dieser Gruppierung, die man natürlich eher im Kinderzimmer findet als in Sammlerhand. 

Oben: Diverse Spielzeugwaffen für Amorces. Hier zeigt sich schon die Vielfalt an Typen, allein von den Drehpistolen (Revolvern) gibt es eine gewaltige Menge. Der COLT SAA unten rechts ist in Originalgröße gehalten und damit für Westernfans und Reenactor vielleicht eine Überlegung wert. 

Rechtliches:

 

Diese "Waffen" gelten als Spielzeug und fallen damit nicht unter das Waffengesetz. Allerdings bekommt man u. U. Probleme, wenn man sich mit so einem Spielzeug in der Öffentlichkeit sehen lässt (Stichwort "Anscheinwaffe"), zumal als Erwachsener. Einige dieser Knallgeräte sehen echten Waffen nämlich ziemlich ähnlich und dann hat man eben ein Problem.   

Oben: Der gute alte Jeff: Fast lebensgroßer Revolver aus Italien von der Firma EDISON GIOCATTOLI, mit dem man kleine Gummi-Geschosse verschießen kann. 

 

Fazit: Da kommt die Kindheit zurück! Herrlich politisch-unkorrektes Spielzeug für den Nostalgiker, das sich auch prima zum Sammeln eignet - es gibt eine gewaltige Menge davon auf dem Globus und die Teile kosten wenig. Für Reenactor und Westernfans bietet sich die Möglichkeit, sich ohne Konflikte mit dem WaffG. auszustatten, denn einige Waffen sind schon erstaunlich nah am Original und dazu günstiger als jede Dekowaffe oder SSW. Auch im Theater greift man gerne auf die kleinen Knallspielzeuge zurück, weil beim "Schuss" nicht die Gefahr besteht, das Gehör der Zuschauer zu gefährden, wie das etwa bei einer SSW der Fall wäre.  

 

Tipps: 

 

- Die alten Amorces, die es bis vor einigen Jahren gab, sind deutlich lauter (siehe Video oben im Link) als die, die es heute gibt. Subjektiv stehen die einer 6mm Flobert-Kartusche kaum nach. Also vorsichtig sein und nicht direkt neben dem Ohr zünden!  

 

- "Schießt" man mit seinen Cap-Guns, sollte man damit rechnen, dass sich schnell weißliche Ablagerungen an den Waffen bilden, das geschieht vor allem an den Spalten, dort wo die beiden Waffenhälften zusammengefügt sind. Diese Rückstände lassen sich später kaum entfernen. Hat man also ein altes Sammlerschätzchen gefunden, sollte man es nicht dem Neffen zum Ausprobieren in die Hand drücken. 

Oben: Aus heutiger Sicht fast schon putzige TV-Werbespots aus den USA. Es geht um ... na klar, Spielzeugwaffen!  

Oben: Gängige Amorces-Munition. Oben links ein 100er-Streifen auf Papier, rechts oben ein 12er-Ring, in der Mitte ein 8er-Ring und unten ein 13er-Streifen für Pistolen. Es fehlen hier die einzelnen Amorces-Plättchen aus Kunststoff. 

Oben: Nicht ganz Spielzeug: Diese eindrucksvolle Nachbildung des COLT "Python" in .357 Magnum - in Originalgröße - ist eigentlich ein Feuerzeug. Auch hier gibt es etliche Modelle in verschiedenen Größen und Ausführungen (bis in zum verkleinerten Maschinengewehr), die sich als Sammelobjekt gut eignen (siehe auch Bild unten). 

Oben: Ebenfalls ein Feuerzeug, hier in Form einer BERETTA 92 Inox 9x19 Luger, sogar mit echten Markings. Metall in Originalgröße mit herausnehmbarem Magazin. Wenn man den Abzug betätigt, erscheint aus dem Lauf die Flamme. Echt cool! 

Oben: Feuer und Flamme. Modellwaffe aus Plastik eines M2 Flammenwerfers (USA) aus dem 2. Weltkrieg. Darüber ein deaktiviertes Griffstück des Originals. Maßstab 1/6.