RUGER, STURM & CO. "Old Army" .44 Percussion - ein Vorderlader-Revolver mit Perkussionszündung, der aber nur mit einer Gelben WBK erworben werden kann. 

"Where there`s smoke, there`s fire!" 

 

Vorderladerwaffen zeichnen sich - wie es der Name schon erahnen lässt - dadurch aus, dass das Geschoss von vorne in den Lauf geladen wird. Noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein bildeten sie bei der Jagd und beim Militär den Standard, bis sie den Patronenwaffen mit rauchschwachen Treibladungen abgelöst wurden. Vor gut 40 Jahren erlebte das Schwarzpulverschießen mit VL im Hobby-Bereich aber wieder eine Renaissance und heute gehört es zum festen Bestandteil vieler Vereine.

 

Die Handhabung wie das Laden ist altertümlich-gemächlich und hat schon fast etwas Meditatives. Besonders diese Unaufgeregtheit des Vorderladerschießens und das handwerkliche Können dabei schätzen viele Fans.  Dazu bekommt man eine Prise Geschichte mitgeliefert und so mancher Western-Freund hat schon den Weg zum Vorderladerschießen gefunden, weil es Teil dieser Kultur ist. Wer also auf antiken Kram und viel Old School steht und sich technischen Herausforderungen nur zu gerne stellt, sollte sich diese Form des Sportschießens jedenfalls mal ansehen. 

 

Technisch unterscheidet man zwischen Perkussion, Luntenschloss, Steinschloss und Radschloss. Diese verschiedenen Arten der Zündung fallen in verschiedene Epochen und kennzeichnen die damals jeweils neueste Technik. Die Perkussionswaffen sind heute wohl am verbreitetsten, bieten sie doch den unkompliziertesten Umgang. Noch Ende des 19. Jahrhunderts waren Perkussionsvorderlader z. T. noch gebräuchlich, auch wenn das Militär ab ca. 1870 vermehrt auf Hinterlader und dann später auf die neuen Patronenwaffen mit rauchschwachem Pulver setzte. Neben Kurzwaffen wie Deringern, klassischen einschüssigen Pistolen oder Revolvern gibt es viele Langwaffen, Büchsen mit glatten und gezogenen Läufen und auch einige Flinten (mit glatten Läufen). Die meisten Waffen werden sportlich oder im Freizeitbereich genutzt, zum Teil aber auch zur Jagd.  

 

Das Schießen: Mittels Zündhütchen, das durch einen Hammer oder Schlaghahn gezündet wird, wird die Ladung hinter dem Geschoss im Lauf mittels Zündfunke durch das sog. Piston-Loch gezündet. Als Treibladung kommt fast ausschließlich Schwarzpulver zum Einsatz. Geladen wird von vorne durch den Lauf. Es gibt verschiedene Geschossformen, meist werden diese gefettet und es wird zusätzlich ein Schusspflaster hinter das Geschoss gepackt - es hilft beim Abdichten in gezogenen Läufen während der innenballistischen Vorgänge des Schießens.  

Rechtliches:

 

Einschüssige Lang- und Kurzwaffen, deren historisches Vorbild aus der Zeit VOR 1871 stammt, sind für Volljährige frei erwerbbar, wobei gerade aktuell am WaffG. geschraubt wird und das unter Umständen wegfallen wird! Dann sind auch solche Waffen eintragungspflichtig, unterliegen einem Bedürfnis und man braucht eine WBK. Das Ganze zur "Terrorabwehr", wohlgemerkt ... Egal. Das Schießen kann nur erfolgen, wenn man einen sog. Pulverschein nach §32 der 1. SprengstoffV. hat, der zum Umgang mit Schwarzpulver berechtigt. Alle anderen Komponenten außer dem Pulver selbst sind zwar frei, aber das allein reicht ja nicht. Daher kann man mit solchen Waffen nicht ohne Weiteres schießen, es sei denn, man nimmt seine Waffe mit auf einen zugelassenen Schießstand und lässt sie sich von einem Sachkundigen laden - dann darf man unter Aufsicht auch damit schießen. Das Hantieren mit dem Schwarzpulver ist aber tabu! Auf Dauer ist das natürlich keine Lösung und man sollte bei Gefallen über weitere Schritte nachdenken (eben den benannten "Pulverschein"). Allerdings eignen sich die Vorderlader auch gut zum Sammeln. Viele dieser Waffen sind Repliken mehr oder weniger bekannter Vorbilder, "echte" Vorderlader sind eher selten und wenn man einen vor sich hat, ist der meist arg gebraucht und sieht entsprechend aus.     

 

Fazit: Frei verkäuflich in vielen Fällen (noch!), aber eben nicht ohne Weiteres zu schießen. Für den "Einstieg" ins Sportschießen auch nur bedingt geeignet, da der Aufwand des Schießens nicht ohne ist. Die Anzahl der verfügbaren Waffen ist groß, man kann vom winzigen Derringer bis hin zu matchtauglichen Gewehren fast alles finden.     

Oben: ARDESA "Deerhunter" cal. .45 Percussion aus Spanien. Solche einschüssigen Perkussionswaffen, deren Entwurf aus einer Zeit vor 1871 stammt, sind (noch) frei ab 18 Jahren erwerbbar. Unten auf den Bildern ist gut das Perkussionsschloss zu erkennen: Seitenplatte, der Hahn zum Spannen und das Piston mit dem Kanal zur Treibladung, auf welches das Zündhütchen vor dem Schuss aufgesetzt wird. 

Tipps:

 

- Ausnahmen vom Problem mit dem Schießen mit Schwarzpulver bilden die sog. Indoor-Umrüstsätze. Mit frei erhältlichen Zündern bzw. Zündhütchen aus Patronen (z. B. No. 209 für Schrot) werden leichte Kugeln aus Kunststoff durch den Lauf getrieben, diese so umgebauten Waffen sind auch für das Schießen in Räumen geeignet. Die Kugeln sind sogar ein paar Mal wiederverwendbar. Leider nicht ganz billig, aber für den Einstieg auf jeden Fall ein Blick wert.   

 

- Niemals, wirklich nie sollte man ein anderes Treibladungsmittel als Schwarzpulver benutzen! Der Aufdruck "Black Powder only!" wurde nicht zur Erheiterung angebracht, sondern ist Ernst zu nehmen. NC-Pulver hat zum Beispiel ein ganz anderes Abbrandverhalten und entwickelt ganz andere Gasdrücke als Schwarzpulver. Verwechselt man also die Treibmittel, führt das fast zwangsläufig zu Waffensprengungen und damit zu Verletzungen des Schützen. 

 

- Nach dem Schießen, auch zwischendurch, muss man seine VL-Waffe immer wieder reinigen und durchziehen. SP hinterlässt hartnäckige Rückstände, die sich später nur noch schwer entfernen lassen. Die Läufe vieler Gewehre sind übrigens aushakbar und können so leicht mit heißem Wasser gereinigt werden. 

 

- Auch hier gilt: Wer eine solche SP-Waffe gerne mal ausprobieren möchte, sollte sich einen Verein in seiner Nähe suchen, der Schwarzpulver im Programm hat und dann als Gastschütze dort vorbei schauen. So hat fast jeder dort angefangen!  

 

- Bevor man dann in der Folge eine Waffe fürs sportliche Schießen kauft, sollte man eine Reihe von Vorderladern ausprobiert haben. Die erfahrenen Schützen können hier immer mit Rat helfen.